Montag, 16. Januar 2017

Tonle Sap


Von Siam Reap kann man einen Tagesausflug an den Tonle Sap machen, dem größten See Südostasiens. Dort gibt es schwimmende Dörfer und Beete auf dem Wasser. Das wollten wir uns schon mal anschauen. Wir buchten also eine Tour und wurden direkt von unserem Hotel abgeholt. Der kleine Bus brachte und aus der Stadt und schon bald hatten wir die die Touristenstadt hinter uns gelassen. Je weiter wir uns vom Stadtzentrum entfernten, desto ärmlicher wurden die Häuser. Schon nach kurzer Zeit bogen wir von der geteerten Straße ab und folgten einer Piste bis zu einer Bootsanlegestelle, wo schon mehrere Busse und viele Tuk-Tuks standen.

Straße zum Tonle Sap
 
Unser Führer verfrachtete uns mit ca. 40 anderen Touristen auf ein Holzboot und schon ging die Fahrt los. Das Boot folgte einer Art Kanal, der direkt  zu einem der schwimmenden Dörfer führte. Es wurde uns erklärt, dass jetzt Trockenzeit sei und deshalb die Häuser trocken stünden. Während der Regenzeit steigt das Wasser um 5 bis 8 Meter und die Bewohner können sich dann nur mehr per Boot in ihrem Dorf bewegen.

auf dem Boot

die Brücke

hier wird Wasserspinat angebaut

Fischfarm

Kaum hielten wir an, wartete schon eine ganze Schar Kinder, die darum rangelten, wer das Seil des Bootes festmachen durfte. Sie waren alle fröhlich und lachten viel und keines der Kinder bettelte uns an. Wir sahen uns einen Teil des Dorfes an und die Bewohner schien das nicht zu stören. Entweder sie sind das schon so gewöhnt, dass sie es gar nicht mehr stört „besichtigt“ zu werden oder sie schauen sich halt die Touristen an wie wir die Dorfbewohner.



im Dorf


Nach kurzer Zeit ging es mit dem Boot weiter zu einem schwimmenden Restaurant. Dort konnte man sich mit kleinen Booten durch den Mangrovenwald rudern lassen (gegen eine kleine Gebühr von 10 Dollar) oder man konnte ein paar Schlagen oder Krokodile in Käfigen anschauen, die die Einheimischen wohl dort für uns Touristen aufgestellt haben oder man bestellt sich was zu essen. Allerdings muss man da schon einen robusten Magen haben, nehme ich an. Die nehmen alles Wasser aus dem See (zum Kochen und Abspülen) und entsorgen alle ihre Abwässer in den See. Auf der einen Seite vom schwimmenden Restaurant wurde abgespült und auf der anderen Seite war die Gästetoilette mit direkter Spülung in den See! Wir beschränkten uns lieber darauf, etwas aus der Dose zu trinken.

schwimmendes Restaurant

Mangroven
 
Nach dem Stopp ging die Fahrt weiter auf den See hinaus, wo schon andere Boote auf den Sonnenuntergang warteten. Unser Skipper suchte uns einen geeigneten Platz und schon bald ging die Sonne unter und die meisten Touristen drängten auf das Dach des Bootes, um möglichst eine ungehinderte Aussicht zu haben. Dadurch schwankte das Boot gefährlich und der Guide musste eingreifen und die Anzahl der Leute auf dem Dach beschränken. Trockenen Fusses konnten wir das Geschehen verfolgen und im Dunkeln ging es zurück nach Siam Reap.


Freitag, 6. Januar 2017

Angkor

An Neujahr machten wir uns ohne Bedauern, Phnom Penh verlassen zu müssen, auf nach Siam Raep. Schon lange war es ein Traum von mir, einmal die Tempel von Angkor zu sehen. Wir nahmen wieder einen Giant Bus. Zur Auswahl hätte noch ein Boot gestanden, das aber ungefähr genauso lange gebraucht hätte. Wir waren unsicher, ob die Fahrt überhaupt möglich gewesen wäre, da wir ja gerade Trockenzeit haben und wir nicht beurteilen können, ob es nun viel oder wenig Wasser im Tonle Sap gibt. Die Aussagen der Einheimischen waren durchaus widersprüchlich. Diejenigen, die Tickets für das Boot verkaufen wollten, sagten wir hätten Glück, dieses Jahr gäbe es richtig viel Wasser. Die anderen, die Bustickets verkaufen wollten, sagten, dass jetzt Trockenzeit wäre und das Boot eventuell gar nicht fahren könne oder nur mit Umwegen und sehr langsam. Zur Sicherheit verließen wir uns auf die Straße.

Die Landschaft war wieder völlig monoton, alles flach, alle Dörfer gleich (zumindest für unsere Augen). Am besten man verschläft die 6 bis 7 Stunden!
In Siam Reap angekommen wurden wir von einem Tuk-Tuk-Fahrer abgeholt, der vom Hotel geschickt worden war. Das hatten wir für drei Nächte vorgebucht, um nicht wieder erst vor Ort suchen zu müssen. Es entpuppte sich als schöne alte Kolonialvilla in relativ zentraler, aber doch ruhiger Lage.

Wir hatten den Abend noch Zeit und liefen Richtung Pub Street, wohin wohl jeder Tourist muss. Es handelt sich dabei nicht um eine Straße, sondern um ein ganzes Viertel, in dem sich Bars, Restaurants, Reisebüros, Souvenirgeschäfte, Hotels und alles was der Tourist sonst noch braucht, aneinanderreihen. Außerdem gibt es noch einen Zentralmarkt (neben weiteren Nachtmärkten). Ein riesiger Touristenrummel, der hier täglich stattfindet. Von dem was wir bisher gesehen hatten, hätten wir uns vorher nicht vorstellen können, dass es so eine Stadt in Kambodscha gibt.

Wir suchten uns ein "normales" Restaurant zum Essen und marschierten ins Hotel zurück. Fritz hat diesmal wieder keine frittierten Vogelspinnen gegessen, obwohl er es vorher angekündigt hatte und es mehrere Stände gab, die sie anboten!


 
Für den nächsten Tag hatten wir schon einen Tuk-Tuk-Fahrer engagiert, der uns zu den verschiedenen Tempeln und Hauptattraktionen von Angkor fahren sollte. Er wartete in der Früh schon auf uns und gleich nach dem Frühstück ging es los. Es war der heißeste Tag unserer bisherigen Reise. Erst fuhr er uns zu einer zentralen Kartenverkaufsstelle, wo wir fotografiert und unsere Tickets ausgestellt wurden - 20 US $ Eintritt pro Person für einen Tag.



Alles, was ich bis dahin von Angkor gelesen und gesehen hatte, hob die Einzigkartigkeit und Erhabenheit der gesamten Anlage hervor, aber keiner hatte was von den vielen chinesischen, japanischen und sonstigen asiatischen Reisegruppen erwähnt, die in Scharen über das Gelände geführt werden und eigentlich nur einen spektakulären Hintergrund für ihre Selfies suchen, die sie an jeder nur erdenklichen Stelle und in allen möglichen gekünstelten Positionen von sich machen. Dabei setzen sie sich über jedes Hindernis hinweg. Wir als gesittete Europäer sind da absolut in der Minderheit und mit unserer anerzogenen Höflichkeit nicht im Mindesten geeignet, sich gegen die asiatische Übermacht zur Wehr zu setzen. Trotz alledem waren wir von den Khmer-Tempeln und den riesigen Ausmaß der Anlagen schwer beeindruckt.

Ansturm auf Angkor

Angkor Wat
 






Anstehen für's Foto
 
 Der Tag hat sich auf alle Fälle gelohnt, um einen Eindruck zu bekommen und einige der wichtigsten Tempel zu besichtigen. Wenn wir nochmal hierher kommen, dann auf alle Fälle nicht mehr in der Hochsaison und ein sachkundiger Führer wäre auch nicht schlecht, der einen ein paar Tage lang begleitet.





Donnerstag, 5. Januar 2017

Phnom Penh


Unsere Reise setzen wir mit dem Bus fort. Nach allem was wir in Erfahrung bringen konnten, buchten wir ein Ticket bei Giant-Ibis, die die luxuriösesten Anbieter auf dem Markt sind. Das Ticket kostete 18 Dollar pro Person und die Fahrt sollte 6 Stunden dauern. Am Morgen marschierten wir zu dem nicht weit von unserem Hotel gelegenen Büro, wo der Bus abfahren sollte. Er kam mit ein bisschen Verspätung und war wirklich was Komfort und Sauberkeit anging in Ordnung. Außerdem gab es eine Art Steward, der uns mit Wasser und Snacks versorgte und erklärte, wie viele Pausen es gibt, wie es an der Grenze zu Kambodscha abläuft usw. Sogar WiFi gibt es im Bus, das auch die meiste Zeit funktionierte.

Bis wir aus Ho-Chi-Minh-City draußen waren dauerte es bestimmt eine Stunde. Der Verkehr ist zwar morgens ein bisschen weniger als am Abend, aber immer noch chaotisch. Die Fahrt selbst war unspektakulär, es ist alles topfeben und die Ort sehen alle ziemlich gleich aus. Kurz vor der kambodschanischen Grenze gab es einen Halt an einem supermodernen Duty-Free-Shop, wo man zu Mittag essen konnte. Einkaufen konnte man da natürlich auch – teure Uhren, Alkoholika aller Art, Parfums etc., was halt sonst auch in den Duty-Free-Geschäften in Flughäfen angeboten wird. Aber wer kauft sowas zwischen Vietnam und Kambodscha ein??? Auffallend waren auch viele Spielkasinos, die um den Grenzübergang herum lagen. Wer weiß, wer da zum Zocken hinfährt.
An der Grenze selbst mussten alle aus dem Bus raus und wir wurden in eine große Halle gelotst. Die Pässe, die ausgefüllten Ein- und Ausreisekarten für Kambodscha sowie das Geld für das Visum (35 Dollar pro Person) hatte unser Steward schon eingesammelt und irgendwo abgegeben. So standen also alle Passagiere in der Halle und warteten unter anderen Gruppen darauf, wie es weitergeht. Wir wussten nicht einmal, ob das ein vietnamesischer oder  kambodschanischer Grenzposten ist. Auf alle Fälle braucht man den Ausreisestempel aus Vietnam und unbedingt einen leserlichen Einreisestempel für Kambodscha, weil man sonst bei der Ausreise Schwierigkeiten bekommt – darauf hatte uns der Steward ausdrücklich nochmal hingewiesen.

Nach ungefähr einer halben Stunde Warten erhielten wir unsere Pässe zurück und es war ein vietnamesischer Ausreisestempel drin. Aha, das war dann schon mal klar. Dann hieß es wieder alle in den Bus und nach kurzer Fahrt hieß es wieder alle aussteigen und bei den kambodschanischen Beamten anstellen. Dort wurden von jedem von beiden Händen komplett die Fingerabdrücke genommen, ein Foto gemacht und der so wichtige Einreisestempel in den Pass gestempelt. Das dauert natürlich alles seine Zeit, aber die Busgesellschaft hatte das gut organisiert.
Endlich ging es weiter. Die Landschaft auf der kambodschanischen Seite sieht genauso aus wie auf der vietnamesischen. Was gleich auffällt ist, dass die Häuser ärmlicher sind und viel Müll am Strassenrand liegt. So erreichten wir am Spätnachmittag Phnom Penh, später als erwartet. Wir hatten kein Hotel gebucht, weil wir damit gerechnet hatten, früher anzukommen und mussten uns jetzt erst mal auf Herbergssuche machen. Ein Tuk-Tuk-Fahrer brachte uns zu einem Hotel, das uns aber nicht so gut gefiel. Das nächste, das wir anschauten, hatte ein größeres Bad und sah auf den ersten Blick ganz ok aus. Wir mieteten uns für zwei Nächte ein und hätten besser erst einen zweiten Blick riskiert. Nachdem wir eingezogen waren sahen wir erst, wie schmuddelig das Zimmer und das Bad waren, aber leider hatten wir schon im Voraus bezahlt, so dass wir jetzt eben in den saueren Apfel beißen mussten.

Wir packten also aus und liefen dann in Richtung Uferpromenade. Auf dem Weg kamen wir durch Straßen voller Bars mit vielen stark geschminkten und knapp bekleideten Mädchen vor der Tür. Auffallend viele westliche ältere Männer waren unterwegs und natürlich auch Touristen aller Altersgruppen. In den Straßen sahen wir Menschen, die Abfallhaufen durchwühlten und offensichtlich auf den Bürgersteigen lebten, nackte Kinder, die im Rinnstein ihre Notdurft verrichten, bettelnde Mütter mit Kleinkindern auf dem Arm – und das keine 10 Meter von feinen Restaurants und Hotels entfernt. Das war richtig krass!
Wir gingen mit gemischten Gefühlen zum Essen und anschließend liefen wir noch ein bisschen an der Uferpromenade entlang. Auf dem Rückweg zum Hotel verliefen wir uns etwas. Beim Entlanggehen auf der Straße wurde ich von einem Moped gerammt - dachte ich zumindest im ersten Augenblick. Nach dem ersten Schreck wurde mir erst bewusst, dass die mir meinen Rucksack von der Schulter reißen wollten, was in Phnom Penh eine gängige Masche ist. Ich würde jetzt gern schreiben, dass ich meine Wertsachen heldenhaft verteidigt habe, aber so war es leider nicht. Es ging alles so schnell und ich hatte Glück, dass die Riemen nicht gerissen sind. Dafür hatte ich am Abend ziemliche Schmerzen im Arm und am nächsten Tag einen riesige blauen Fleck. Das war kein guter Start für Phnom Penh!


Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Tuk-Tuk-Fahrer engagiert, der uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt kutschieren sollte. Er wartete in der Früh schon auf uns und so ging es los. Man kann sich in der Stadt gut orientieren, da die Straßen wie ein Gitternetz angelegt und durchnummeriert sind, die ungeraden Zahlen bezeichnen die Straßen von Nord nach Süd, die geraden von Ost nach West. Und schließlich gibt es noch die Uferpromenade, die sich den Tonle Sap entlangzieht.
Wat Phnom



Unabhängigkeitsdenkmal

Königspalast

umringt von Bettlern

Wir sahen uns das Wat Phnom an, den Königspalast und die Silberpagode, das Unabhängigkeitsdenkmal, den Wat Ounalom und genossen es, durch die Stadt gefahren zu werden, ohne ständig angebettelt zu werden oder irgend etwas zum Kauf angeboten zu bekommen. Im Wat Ounalom wird in einem kleinen Nebengebäude ein Haar aus der Augenbraue Buddhas aufbewahrt, was etwas sehr Kostbares ist. Als wir hinkamen war der Tempel menschenleer. Wir besichtigten die Anlage und fanden auch das kleine Gebäude. In der Nähe saß ein alter Mönch, der uns ungefragt die Tür zum Heiligtum aufsperrte. In dem kleinen Raum stand eine schwarze Buddhastatue, in der sich wohl das kostbare Haar befindet. Es war ziemlich duster und wir mussten uns vor dem Buddha hinknieen, erhielten zwei Räucherstäbchen, die wir ehrfürchtig in die Opferschale steckten und hörten dem Singsang des Mönchs zu. Er bespritzte unsere Handflächen mit besonderem Wasser, das wir anschließend ins Gesicht reiben mussten. Dann segnete er uns und entließ uns wieder in die Welt. Das war ein besonderes Erlebnis und wir nahmen es als gutes Zeichen für das neue Jahr.
Natürlich gab es dann noch eine kleine Geldspende für Buddha, aber wir hatten beide nicht das Gefühl, dass der Mönch es darauf abgesehen hatte.

da drin ist das Haar aus der Augenbraue

Am Abend war Silvester und unser Tuk-Tuk-Fahrer hat erzählt, dass sich die Stadtbewohner am Abend alle am Unabhängigkeitsdenkmal versammeln, weil es dort ein großes Fest mit Freibier gibt. Vor ein paar Jahre hätte es dort zu Silvester sogar Tote gegeben. Für uns war klar, dass wir da nicht hingehen und uns das Feuerwerk lieber von der Flusspromenade aus anschauen.

Nach dem Abendessen setzten wir uns in eines der Touristenlokale entlang des Flusses und sahen dem Treiben zu. Es war viel Verkehr in alle Richtungen, in den Straßen grillten die Kambodschaner auf den Bürgersteigen und es wurde viel getrunken. Überall standen die Leute zusammen draußen um Tische mit Schnapsflaschen und anderen Getränken herum. Um Mitternacht gab es dann das öffentliche Feuerwerk, das nicht so riesig, aber ganz schön war. Manche Leute hatten auch kleinere Böller und Stäbe, aus denen bunte Leuchtkugeln schossen. Wir hatten uns das viel chaotischer vorgestellt, aber Silvester verlief ganz entspannt. Zum Hotel fuhren wir trotzdem lieber mit dem Tuk-Tuk.
Feuerwerk in Phnom Penh

Montag, 2. Januar 2017

Ho-Chi-Minh-City (Saigon)


Von Hue aus sind wir nach Ho-Chi-Minh-City geflogen. Das kommt billiger und geht wesentlich schneller als mit dem Bus zu fahren. Vom Flughafen ließen wir uns mit dem Taxi zu einem Hotel in der Innenstadt bringen, das ganz gute Bewertungen hatte und nicht zu teuer war. Schon auf dem Weg in die Innenstadt war deutlich zu erkennen, dass Ho-Chi-Minh-City wesentlich modernen und sauberer ist als alle anderen Städte in Vietnam, die wir bisher kennengelernt haben.  Dass der Verkehr hier noch dichter ist als in Hanoi konnten wir uns vorher nicht vorstellen.

Das Hotel, das wir uns ausgesucht hatten, war bereits ausgebucht und wir machten uns auf die Suche nach einer anderen Bleibe. Wir befanden uns in einer Straße namens Pham Ngu Lao, in der es viele Hotels uns Gästehäuser geben sollte. Wir klapperten ein paar ab, es war heiß und laut, und schon ziemlich bald hatten wir keine Lust mehr, weil die angebotenen Zimmer ziemlich schrecklich waren und wir unsere schweren Rucksäcke dabei hatten. Also setzen wir uns in einen klimatisierten Coffeeshop mit schnellem WLAN und suchten uns Adressen über das Internet raus. Die Zimmer muss man trotzdem anschauen, da die schönen Bilder oft täuschen. Komischerweise hatten viele Unterkünfte genau die Adresse Pham Ngu Lao, aber waren nicht zu finden. Ich ließ also Fritz mitsamt Gepäck im Coffeeshop (was nicht wirklich schlimm für ihn war!) und machte mich in die nächsten Seitengassen auf. Dort war wirklich ein Hotel neben dem anderen und jede Gasse, die von der genannten Straße abging hieß auch Pham Ngu Lao. Schon bald hatte ich ein passendes Zimmer gefunden und konnte Fritz aus dem Coffeeshop abholen.

Blick aus dem Hotelzimmer
An dem Abend erkundeten wir nur die unmittelbare Umgebung unseres Hotels. Glück hatten wir, weil wir in dem Backpacker- und Partyviertel wohnten, aber unser Zimmer trotzdem ruhig war.  In den Gassen und auch Hauptstraßen reiht sich ein Lokal an das andere, darüber sind die Hotels und Guesthouses, zwischendrin Souvenirläden, Garküchen, Mopedverleiher und Reisebüros, zumeist bieten alle alles gleichzeitig an.
"Unsere" Gasse

Abends im Viertel

Speisekarte Cafe Munich
 



Am nächsten Tag machten wir uns auf zur Stadtbesichtigung. Mit einem Stadtplan vom Hotel haben wir uns wieder mal komplett verirrt. Die sind oft nur schematisch gezeichnet und wenn man jemand nach dem Weg fragt, wird man fast todsicher in die falsche Richtung geschickt, weil die Leute keine Pläne lesen können und oft nur ganz schlecht oder gar nicht Englisch sprechen. Weil sie sehr hilfsbereit sind und auch ihr Gesicht nicht verlieren wollen, sagen sie nicht einfach, dass sie es nicht wissen und schicken einen halt dann irgendwohin. Mit dem Stadtplan im Reiseführer kommt man da schon besser klar. Unsere Sehenswürdigkeiten haben wir dann doch noch gefunden.
Wiedervereinigungspalast
 
Onkel Ho
 
McDonalds und Hammer und Sichel


Die Stadt ist zumindest im Zentrum sehr international und schick angehaucht. Es gibt teure Einkaufstempel und Bankpaläste und über allem weht die sozialistische Fahne. Ho-Chi-Minh wird sehr verehrt .  Aus der französischen Kolonialzeit gibt es noch einige Bauten und natürlich gibt es auf allen Bürgersteigen kleine Garküchen, Minihandwerksbetriebe und durch die Straße fließt einen unaufhörlicher hupender Strom von Mopeds, die sich durch jede noch so kleine Lücke schlängeln.

Für uns ist das sehr anstrengend, weil man seine Augen überall haben muss, von jeder Seite kann ein Moped kommen. Da wird keine Rücksicht auf Fahrtrichtung, Bürgersteig, Ampeln oder sonstige Verkehrsregeln genommen – für Mopeds gelten die anscheinend gar nicht!
Bin Tay Markt
 

was so alles auf ein Moped passt

Handwerker am Bürgersteig

Metzgerei



In dem Krankenhaus würde ich nicht gern behandelt werden
Hauptpostamt
 
Wir liefen von unserem Hotel bis zum Fluß Saigon, wobei wir alle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg abklapperten. Am nächsten Tag ging es in eine andere Richtung zum Kriegsreliktemuseum, was ziemlich bedrückend war. Darin werden alte Waffen und Kriegsgeräte aus dem Vietnamkrieg gezeigt und viele Fotos von Vietnamesen, die durch amerikanische Napalmbomben, Minen oder Agent Orange verletzt oder getötet wurden. Noch Generationen nachher werden Kinder mit schrecklichen Mißbildungen geboren. Es werden natürlich nur die amerikanischen Kriegsverbrechen dargestellt, die Vietnamesen nur als Opfer. Jedenfalls geht einem die Ausstellung ziemlich nahe – es ist unglaublich, was Menschen anderen Menschen antun!
Kriegsrelikte
 
Nachdem der Wetterbericht für den Süden Vietnams nicht so gut angesagt war und wir ja diesmal nicht ein ganzes Jahr, sondern nur vier Wochen Zeit haben, beschlossen wir, uns ein Busticket nach Phnom Penh zu besorgen und am nächsten Tag nach Kambodscha aufzubrechen.

 

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Hue

Am Morgen unserer Abreise aus Hoi An goß es wie aus Eimern. Wir hatten am Abend zuvor in der Stadt einen "Sleeping bus" nach Hue gebucht mit Abholung vom Hotel. Wir frühstückten in aller Ruhe, packten unsere Rucksäcke und warteten auf den Van, der uns zum Busbahnhof bringen sollte. Die Abfahrt des Buses sollte um 13:30 Uhr sein. Bis 20 nach eins war noch immer kein Van in Sicht. Deshalb wurden wir schon langsam nervös und ließen Flower von der Rezeption zweimal bei der Reiseagentur anrufen. Dort hieß es immer nur "no worries". Tatsächlich erschien der Van mit einiger Verspätung, so dass der Bus eigentlich schon weg sein sollte. Am Busbahnhof angekommen erfuhren wir schließlich, dass der Bus ungefähr in einer Viertelstunde fahren werde. Er stand schon da und wurde noch entladen - d.h. es kamen immer wieder mal Mopeds vorbei, die sich jeweils einen riesigen Sack unbestimmten Inhalts aufladen ließen und mit diesem davonfuhren. Wir standen da und beobachteten das Geschehen. Irgendwann entlud ein Mitarbeiter die restlichen Sachen, die nicht abgeholt worden waren und packte sie unter das Vordach des Ticketschalters, wo die abreisenden Fahrgäste ihr Gepäck stehen hatten, weil es immer noch in Strömen regnete.
Schließlich erhielten wir das Signal zum Einsteigen. Unsere Rucksäcke wurden lieblos in den ziemlich dreckigen Laderaum des Buses geworfen und wir durften in den Bus. Beim Einsteigen mussten wir die Schuhe ausziehen und jeder erhielt eine Plastiktüte, um sie zu verstauen. In einem sleeping bus sind wir bisher noch nie gefahren. Die Sitze sind in zwei Reihen übereinander angeordnet und sind mehr Liegen, die man hochstellen kann. Für Europäer sind die "Kabinen" zu kurz - sie sind eher auf vietnamesische Körpermaße zugeschnitten. Man legt sich also rein, verstaut sein Gepäck rund um sich und sucht die bequemste Position.



Die Fahrt begann mit reichlich Verspätung, der Fahrer, den ich erst für einen Fahrgast hielt, lag in der Kabine vor mir und schnarchte laut vor sich hin, bis ihn einer weckte und er abrupt ans Steuer sprang. Ich befürchtete nichts Gutes, so halbwach wie der Mann war, aber er brachte uns gemächlich mit viel Gehupe sicher nach Hue. Auf der Fahrt konnte man immer wieder mal wegdösen, draußen regnete es weiter und alles war grau in grau. So konnte man nicht viel sehen. Einmal fuhren wir durch einen 12 km langen Tunnel. Später habe ich gelesen, dass es der längste in Südostasien ist und dass man so leider nicht mehr über den Wolkenpass fährt (was für Touristen natürlich viel schöner wäre).

In Hue angekommen regnete es immer noch. So nahmen wir uns ein Taxi und ließen uns zu unserem Hotel bringen, das ich vorher über booking gebucht hatte. Es war ganz ok, aber mehr auch nicht. Am nächsten Morgen suchten wir uns ein Restaurant zum Frühstücken und schauten uns auf dem Weg Zimmer in anderen Hotels an. Ganz in der Nähe fanden wir eines, das sogar günstiger war als das online gebuchte und viel schöner. Es war riesig groß mit vielen Fenstern, einem Balkon und einem Ausblick über die Stadt. Wir zogen schnell unser Gepäck um und machten uns sogleich auf zur Besichtigung der alten Zitadelle in der alten Kaiserstadt.


Frühstück im Zimmer

Blick aus dem Zimmer
 
so sieht's hier auf jedem Bürgersteig aus
Über einen breiten Wasseergraben betritt man durch das Mittagstor die Anlage und gelangt an der Halle der höchsten Harmonie vorbei zum Bereich der Purpurnen Verbotenen Stadt, die nur dem Kaiser und seinen Konkubinen vorbehalten war.
 


 
 
Am nächsten Tag mieteten wir uns wieder ein Moped und fuhren zu anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt, die etwas weiter entfernt lagen.

Kathedrale von Hue
Wegen eines bevorstehenden Feiertages wurden am Straßenrand überall Räucherstäbchen hergestellt, zum Trocken ausgelegt und dann zum Verkauf angeboten.

Räucherstächenfachgeschäft
Etwas außerhalb der Stadt besuchten wir die Gräber der Kaiser Tu Duc und Minh Mang, die auf riesigen Grundstücken angelegt sind. Dort mussten die Konkubinen auch nach dem Tod des Kaisers für einige Jahre leben. Außerdem brauchten sie Pavillons, Tempel, Mandarine etc. etc.
Tu Ducs Grabanlage: hier ließ er sich mit dem Boot herumfahren und dichtete

 
 
Elefant, Pferd und Mandarine für Tu Duc

Grabanlage von Minh Mang

Minh Mang
Auf dem Rückweg in die Stadt schauten wir uns noch eines der Wahrzeichen von Hue an, die Thien Mu Pagode (Turm der Freude und Anmut).

Thien Mu Pagode
 
Die Abende in Hue verbrachten wir an Weihnachten im Backpackerviertel, wo man von allen Seiten mit Weihnachtsliedern beschallt wird und bei jedem Lokal ein meist mit vielen bunten LED-Lichtern geschmückter Christbaum steht. An den anderen Abenden setzen wir uns lieber in Restaurants am Ufer der Parfümflusses, wo keine Mopeds fahren dürfen und genossen Ausblick und Ruhe.
 
Parfümfluss außerhalb von Hue
In Hue haben wir uns sehr wohl gefühlt und können einen Besuch nur empfehlen. Schließlich mussten wir aber doch weiter. Unser nächster und letzter Stop in Vietnam wird Ho-Chi-Minh-City, das ehemalige Saigon. Dann ist unser 15-Tage-Visum fast abgelaufen und wir müssen das Land verlassen.