Unsere Reise setzen wir mit dem Bus fort. Nach allem was wir
in Erfahrung bringen konnten, buchten wir ein Ticket bei Giant-Ibis, die die
luxuriösesten Anbieter auf dem Markt sind. Das Ticket kostete 18 Dollar pro
Person und die Fahrt sollte 6 Stunden dauern. Am Morgen marschierten wir zu dem
nicht weit von unserem Hotel gelegenen Büro, wo der Bus abfahren sollte. Er kam
mit ein bisschen Verspätung und war wirklich was Komfort und Sauberkeit anging
in Ordnung. Außerdem gab es eine Art Steward, der uns mit Wasser und Snacks
versorgte und erklärte, wie viele Pausen es gibt, wie es an der Grenze zu
Kambodscha abläuft usw. Sogar WiFi gibt es im Bus, das auch die meiste Zeit
funktionierte.
Bis wir aus Ho-Chi-Minh-City draußen waren dauerte
es bestimmt eine Stunde. Der Verkehr ist zwar morgens ein bisschen weniger als am
Abend, aber immer noch chaotisch. Die Fahrt selbst war unspektakulär, es ist
alles topfeben und die Ort sehen alle ziemlich gleich aus. Kurz vor der
kambodschanischen Grenze gab es einen Halt an einem supermodernen
Duty-Free-Shop, wo man zu Mittag essen konnte. Einkaufen konnte man da natürlich
auch – teure Uhren, Alkoholika aller Art, Parfums etc., was halt sonst auch in
den Duty-Free-Geschäften in Flughäfen angeboten wird. Aber wer kauft sowas zwischen
Vietnam und Kambodscha ein??? Auffallend waren auch viele Spielkasinos, die um
den Grenzübergang herum lagen. Wer weiß, wer da zum Zocken hinfährt.
An der Grenze selbst mussten alle aus dem Bus raus und wir
wurden in eine große Halle gelotst. Die Pässe, die ausgefüllten Ein- und
Ausreisekarten für Kambodscha sowie das Geld für das Visum (35 Dollar pro
Person) hatte unser Steward schon eingesammelt und irgendwo abgegeben. So
standen also alle Passagiere in der Halle und warteten unter anderen Gruppen darauf,
wie es weitergeht. Wir wussten nicht einmal, ob das ein vietnamesischer
oder kambodschanischer Grenzposten ist.
Auf alle Fälle braucht man den Ausreisestempel aus Vietnam und unbedingt einen
leserlichen Einreisestempel für Kambodscha, weil man sonst bei der Ausreise
Schwierigkeiten bekommt – darauf hatte uns der Steward ausdrücklich nochmal
hingewiesen.
Nach ungefähr einer halben Stunde Warten erhielten wir
unsere Pässe zurück und es war ein vietnamesischer Ausreisestempel drin. Aha,
das war dann schon mal klar. Dann hieß es wieder alle in den Bus und nach
kurzer Fahrt hieß es wieder alle aussteigen und bei den kambodschanischen
Beamten anstellen. Dort wurden von jedem von beiden Händen komplett die
Fingerabdrücke genommen, ein Foto gemacht und der so wichtige Einreisestempel
in den Pass gestempelt. Das dauert natürlich alles seine Zeit, aber die
Busgesellschaft hatte das gut organisiert.
Endlich ging es weiter. Die Landschaft auf der
kambodschanischen Seite sieht genauso aus wie auf der vietnamesischen. Was
gleich auffällt ist, dass die Häuser ärmlicher sind und viel Müll am
Strassenrand liegt. So erreichten wir am Spätnachmittag Phnom Penh, später als
erwartet. Wir hatten kein Hotel gebucht, weil wir damit gerechnet hatten,
früher anzukommen und mussten uns jetzt erst mal auf Herbergssuche machen. Ein
Tuk-Tuk-Fahrer brachte uns zu einem Hotel, das uns aber nicht so gut gefiel.
Das nächste, das wir anschauten, hatte ein größeres Bad und sah auf den ersten
Blick ganz ok aus. Wir mieteten uns für zwei Nächte ein und hätten besser erst
einen zweiten Blick riskiert. Nachdem wir eingezogen waren sahen wir erst, wie
schmuddelig das Zimmer und das Bad waren, aber leider hatten wir schon im
Voraus bezahlt, so dass wir jetzt eben in den saueren Apfel beißen mussten.
Wir packten also aus und liefen dann in Richtung
Uferpromenade. Auf dem Weg kamen wir durch Straßen voller Bars mit vielen stark
geschminkten und knapp bekleideten Mädchen vor der Tür. Auffallend viele westliche ältere
Männer waren unterwegs und natürlich auch Touristen aller Altersgruppen. In den Straßen sahen wir
Menschen, die Abfallhaufen durchwühlten und offensichtlich auf den
Bürgersteigen lebten, nackte Kinder, die im Rinnstein ihre Notdurft verrichten,
bettelnde Mütter mit Kleinkindern auf dem Arm – und das keine 10 Meter von feinen Restaurants und Hotels entfernt. Das war richtig krass!
Wir gingen mit gemischten Gefühlen zum Essen und
anschließend liefen wir noch ein bisschen an der Uferpromenade entlang. Auf dem
Rückweg zum Hotel verliefen wir uns etwas. Beim Entlanggehen auf der Straße wurde ich von einem Moped gerammt - dachte ich zumindest im ersten Augenblick. Nach dem ersten Schreck wurde mir erst bewusst, dass die mir meinen Rucksack von der Schulter reißen wollten, was in Phnom Penh eine gängige Masche ist. Ich würde jetzt gern schreiben, dass ich meine Wertsachen heldenhaft verteidigt habe, aber so war es leider nicht. Es ging alles so schnell und ich hatte Glück, dass die Riemen nicht gerissen sind. Dafür hatte ich am Abend ziemliche Schmerzen im Arm und am nächsten Tag einen riesige blauen Fleck. Das war kein guter Start für Phnom Penh!Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Tuk-Tuk-Fahrer engagiert, der uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt kutschieren sollte. Er wartete in der Früh schon auf uns und so ging es los. Man kann sich in der Stadt gut orientieren, da die Straßen wie ein Gitternetz angelegt und durchnummeriert sind, die ungeraden Zahlen bezeichnen die Straßen von Nord nach Süd, die geraden von Ost nach West. Und schließlich gibt es noch die Uferpromenade, die sich den Tonle Sap entlangzieht.
| Wat Phnom |
| Unabhängigkeitsdenkmal |
| Königspalast |
| umringt von Bettlern |
Wir sahen uns das Wat Phnom an, den Königspalast und die Silberpagode, das Unabhängigkeitsdenkmal, den Wat Ounalom und genossen es, durch die Stadt gefahren zu werden, ohne ständig angebettelt zu werden oder irgend etwas zum Kauf angeboten zu bekommen. Im Wat Ounalom wird in einem kleinen Nebengebäude ein Haar aus der Augenbraue Buddhas aufbewahrt, was etwas sehr Kostbares ist. Als wir hinkamen war der Tempel menschenleer. Wir besichtigten die Anlage und fanden auch das kleine Gebäude. In der Nähe saß ein alter Mönch, der uns ungefragt die Tür zum Heiligtum aufsperrte. In dem kleinen Raum stand eine schwarze Buddhastatue, in der sich wohl das kostbare Haar befindet. Es war ziemlich duster und wir mussten uns vor dem Buddha hinknieen, erhielten zwei Räucherstäbchen, die wir ehrfürchtig in die Opferschale steckten und hörten dem Singsang des Mönchs zu. Er bespritzte unsere Handflächen mit besonderem Wasser, das wir anschließend ins Gesicht reiben mussten. Dann segnete er uns und entließ uns wieder in die Welt. Das war ein besonderes Erlebnis und wir nahmen es als gutes Zeichen für das neue Jahr.
Natürlich gab es dann noch eine kleine Geldspende für Buddha, aber wir hatten beide nicht das Gefühl, dass der Mönch es darauf abgesehen hatte.
| da drin ist das Haar aus der Augenbraue |
Am Abend war Silvester und unser Tuk-Tuk-Fahrer hat erzählt, dass sich die Stadtbewohner am Abend alle am Unabhängigkeitsdenkmal versammeln, weil es dort ein großes Fest mit Freibier gibt. Vor ein paar Jahre hätte es dort zu Silvester sogar Tote gegeben. Für uns war klar, dass wir da nicht hingehen und uns das Feuerwerk lieber von der Flusspromenade aus anschauen.
Nach dem Abendessen setzten wir uns in eines der Touristenlokale entlang des Flusses und sahen dem Treiben zu. Es war viel Verkehr in alle Richtungen, in den Straßen grillten die Kambodschaner auf den Bürgersteigen und es wurde viel getrunken. Überall standen die Leute zusammen draußen um Tische mit Schnapsflaschen und anderen Getränken herum. Um Mitternacht gab es dann das öffentliche Feuerwerk, das nicht so riesig, aber ganz schön war. Manche Leute hatten auch kleinere Böller und Stäbe, aus denen bunte Leuchtkugeln schossen. Wir hatten uns das viel chaotischer vorgestellt, aber Silvester verlief ganz entspannt. Zum Hotel fuhren wir trotzdem lieber mit dem Tuk-Tuk.
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| Feuerwerk in Phnom Penh |




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