Donnerstag, 22. Dezember 2016

Ha Long Bucht

Zum touristischen Pflichtprogramm in Vietnam gehört auf alle Fälle ein Besuch der Ha Long Bucht, die seit ein paar Jahren zu den UNESCO Naturweltwundern gehört. Seit wir in Hanoi angekommen waren, war es bewölkt und dunstig und keine Aussicht auf Wetterbesserung - laut Internet. Laut Touranbietern wären die Aussichten für die nächsten Tage wunderbar und außerdem wäre das Wetter in Ha Long Bay sowieso ganz anders als in Hanoi. Eine Tagestour würde nicht ausreichen, wir sollten auf alle Fälle mindestens zwei Tage oder mehr buchen mit Übernachtung auf dem Boot oder in einem Hotel auf der nahe gelegenen Insel Cat Ba.
Die Vorstellung, mehrere Tage bei trüben Wetter mit vielen anderen Touristen auf einem Boot eingepfercht durch das südchinesische Meer geschippert zu werden, ohne viel zu sehen, begeisterte uns nicht wirklich, aber ohne dort gewesen zu sein, wollten wir auch nicht abreisen. Der Kompromiss war eine ein-Tages-Tour, aber dafür die Deluxe-Variante, bei der wir nur mit einer kleinen Gruppe auf einem überschaubaren Boot unterwegs wären. Das kostete natürlich etwas mehr, aber dafür wäre es keine Massenveranstaltung.
Am Morgen des nächsten Tages wurden wir im Hotel abgeholt und nachdem der Guide noch ein paar andere Touristen in anderen Hotels eingesammelt hatte, ging die Reise los, raus aus Hanoi Richtung Hai Phong. Die Fahrt dauerte vier Stunden mit einem Stopover an einer riesigen Raststätte, an der anscheinend sämtliche Vans, Minibusse und Busse halten, die in die Ha Long Bay fahren. Dort müssen alle aussteigen und nach 25 bis 30 Minuten sollte es weiter gehen. In der Zwischenzeit wird man durch ein Gebäude gelotst, in dem alles Mögliche verkauft wird, Souvenirs, Essen und Trinken, Bekleidung (Schnellschneider, die innerhalb von drei Stunden massfertigen), Schmuck, Stickereien (da sitzen Stickerinnen und sticken wahre Gemälde) bis hin zu Marmor- und Jadeskulpturen für tausende von Dollar/Euro, die gegen geringes Entgelt in die Heimatländer der Käufer geschickt werden. Dabei sind die Verkäufer aber keineswegs aufdringlich, sondern die Leute sind nett und freundlich und immer am Lächeln. Man fühlt sich zu nichts genötigt! Außerdem sollen alle Reisenden in der Pause aufs Klo gehen, damit sie den Rest der Strecke durchhalten (was die Männer mit den Konfirmandenblasen trotzdem nicht geschafft haben).
Nach der Pause verlässt man das Gebäude auf der anderen Seite, wo der Bus oder Minibus auf seine Insassen wartet. Jetzt ist es aber so, dass die Busse und Minibusse alle gleich aussehen und dort wirklich viele stehen. Also irren die vielen Leute auf der Suche nach ihrem Bus hin und her, bis sie den richtigen gefunden haben - wir auch! Es. macht alles einen chaotischen Eindruck, aber irgendwie klappt doch alles
Auf dem Ausflug lernt man auch seine Mitreisenden mehr oder weniger kennen. An dem Morgen hatten wir die Nachricht von dem Anschlag in Berlin erhalten und die Franzosen in der Gruppe kamen zu uns und sprachen uns ihr Mitgefühl und Beileid aus. Wir waren die einzigen Europäer in der Gruppe und da gibt es doch ein Gefühl des Zusammenstehens.

Nach langen vier Stunden kamen wir an der Anlegestelle an und wurden auf ein Boot gelotst, das in keiner Weise Deluxe, sondern eher "ordinary" war. Kein Unterschied zu den anderen Booten, die da im Minutentakt ablegten. Circa 50 Personen werden an gedeckten Tischen verteilt, das Mittagessen wird sofort gebracht oder steht schon da und ist dann natürlich kalt bis alle da sind. Man fängt an zu essen und das Schiff fährt los. Leider war das Wetter keinen Deut besser als in Hanoi, so dass wir froh waren, nur den einen Tag gebucht zu haben. Man wird an ein paar Felsen vorbeigefahren bis zu einer Anlegestelle, wo es wieder eine Pause gibt, in der die Touristen entweder Kajak fahren können (selber rudern und Kleidung zum Wechseln mitbringen!) oder mit einem Bambusboot gerudert werden. Danach geht die Fahrt weiter zu einer Tropfsteinhöhle, die schön ausgeleuchtet ist. Durch die wird man von seinem Guide durchgeführt, der versucht, die Gesteinsformationen zu erklären. Dabei war oft nichts zu verstehen, weil gleichzeitig jede Menge anderer Gruppen ebenfalls durch die Höhle geführt wurden und die chinesischen Guides mit Mikrofonen ausgestattet sind, so dass man von der englischen Erklärung gar nichts mehr hört.

trübes Wetter

Fighting cocks





in der Tropfsteinhöhle


Nach der Höhle hieß es wieder zurück ins Boot, das schnurstracks den Hafen anlief. Auf der Rückfahrt kam dann tatsächlich nochmal kurz die Sonne raus und wie die Felsen aus dem Dunst auftauchen, das hat schon was Magisches.



Unser Guide sammelte alle ein, die nicht übernachteten und nun lief das ganze nochmal genauso ab wie auf der Hinfahrt. Wir waren jedenfalls froh, nach insgesamt acht Stunden Fahrt und vier Stunden Ha Long Bay wieder zurück in Hanoi zu sein.

Für den nächsten Tag hatten wir ursprünglich geplant, mit dem Nachtzug in 12 Stunden nach Hue zu fahren. Diese 12 Stunden schreckten uns dann doch ein bißchen ab, so dass wir uns nach einem Flug umschauten. Mit einem vietnamesischen Billigflieger sollte der Flug für uns beide für den nächsten Tag knapp 100 Euro kosten und grade mal etwas über eine Stunde dauern. Bei der Buchung stellte sich leider heraus, dass VietjetAir unsere VISA-Karte nicht akzeptierte, so dass wir am nächsten Tag in das Buchungsbüro in Hanoi marschierten, um dort bar bezahlen zu können. Inzwischen gab es den Flug zu diesem Preis nicht mehr, so dass wir uns kurz entschlossen umentschieden. Am Abend flogen wir nach Da Nang und von dort ging es gleich weiter nach Hoi An. Hue kommt dann eben später.

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